Samstag, 4. Februar 2017

"Kalles abenteuerliche Reise" Märchen von Gabriele Etzrodt©

Kalles abenteuerliche ReiseGabriele Etzrodt©
Für Mara zur Einschulung am 6. August 2016 von Deiner Omi
 
Als ich aufwache ist mir so heiß! Aber durch das offene Küchenfenster weht ein leichtes frisches Lüftchen und so kühle ich langsam ab.
Irgendwie fühle ich mich gleich kräftiger und kann alles um mich herum besser sehen und hören.
Merkwürdige Töne nehme ich wahr.
Wo kommen die her?
Etwas beugt sich über mich und einen Moment verharren wir Auge in Auge.
Wer bist du?“ frage ich das andere Wesen.
„Ich bin Mia, die Katze.“
„Aha! Und ich bin der Schokopudding Kalle.“
„Ach, diesmal also Kalle, Dein Vorgänger war echt lecker!
Dich würde ich auch gerne probieren, obwohl es hinterher wieder einen Mordsärger gibt.“
Untersteh dich! Ich bin doch kein Katzenfutter!“
„Na, das sehe ich anders!“
Diese Katze! Was die sich denkt! Ich wurde doch für die Kinder gekocht.
Die freuen sich schon auf mich.
Ich muss nur noch richtig abkühlen.
Hey, träumst du?“
Schon wieder die Katze!
Kann die nicht mal Ruhe geben? Nun tippt sie an meine Schüssel.
Die wackelt tüchtig!
Uff!
Nochmal gut gegangen!
Jetzt kommt sie mit ihrer großen Pfote und versucht in mich reinzupatschen.
Ich kann mich gerade noch etwas ducken.
Mann, oh Mann, was soll ich tun? Nun stößt sie mich richtig an!
Hilfe!!! Ich falle!!!“
Die Schüssel zerbricht. Und ich bin frei.
„Ich bin frei! Juchhuh!!!“

Glücklicherweise rolle ich gleich unter den Johannisbeerbusch.
Endlich in Sicherheit!
Über mir hängen dichte grüne Blätter und Stängel mit kleinen roten und grünen Kügelchen.
Hier kann ich erst mal verschnaufen.
Doch was ist das?
Ein Knurren.
Das hört sich nicht gut an!
„Hey, wer bist du und was willst du?“ rufe ich.
„Ich bin Benno, der Hund und wohne hier.
Du störst! Das hier ist mein Lieblingsplatz und ich will jetzt Mittagspause machen.“
Aber ich kann mich nicht so einfach fortbewegen, wie du.“ Er stupst mich ziemlich heftig an, weil er seinen Platz erobern will.
Ich kullere etwas weiter und lande unter einer Rhabarberstaude.
Da habe ich wirklich Glück, hier findet mich die Katze nicht. Die riesigen Rhabarberblätter schützen mich prima.
Hier kann ich erst einmal in Ruhe darüber nachdenken, wie es weitergehen soll.
Doch was ist das?
Es juckt auf meinem Rücken.
Ich drehe und wende mich, was für einen Schokopudding nicht so einfach ist. Ich sehe nichts. Blöd! Ich spreche also mit dem unsichtbaren Störenfried: „Hallo, wer bist du? Weshalb krabbelst du auf meinem Rücken herum und zeigst dich nicht?“
„Ich bin die Schnecke Slimmi.
Eigentlich kennt mich hier jeder,
weil ich so langsam voran komme.
Und wer bist du? Und weshalb sind wir uns noch nie begegnet?“
„Ich bin Kalle, der Schokopudding.
Du kannst mich auch noch nicht kennen, denn ich bin erst wenige Stunden alt und lebe auch nicht mehr, als einen Tag.
Aber kannst du mal von mir runterkommen?
Das kitzelt so und meine Arme sind nicht lang genug, um mich am Rücken zu kratzen.“
Slimmi rutscht langsam von mir herunter.
Sie sieht nett aus!
Vielleicht werden wir Freunde!
Gerade freue ich mich über den Gedanken und will Slimmi fragen, ob wir Freunde werden wollen, da taucht das nächste Problem auf.
Ein wirkliches Problem!
Die Katze Mia schleicht sich an.
Gibt sie denn nie auf?
Ihre grünen Augen funkeln mich unter dem Blätterdach an. „So, jetzt bist du dran!“ faucht sie.
Zuerst bekomme ich Angst. Aber dann merke ich, dass ich richtig wütend werde! Was die sich denkt!
Ich zittere vor Wut.
Und als sie ihre Pfote nach mir ausstreckt, zittere ich so stark, dass ein Stück von mir abreißt und ihr aufs Auge klatscht.
Das ist ein Schreck für sie! Damit hat sie wohl nicht gerechnet. Durch den Ruck fliege ich ein ganzes Stück weiter, mitten in einen Rosenbusch. „Aua!“ Wie das kratzt und pieckst! Aber immer noch besser, als die Krallen der Katze zu spüren.
Und wieder habe ich eine Verschnaufpause!
Ich sehe mich in Ruhe um.
Schön ist es hier!
Der Rosenbusch hat viele duftende rote Blüten und rundherum wachsen andere bunte Blumen.
Bienen sammeln Nektar, Schmetterlinge flattern herum und Käfer und Ameisen laufen geschäftig über den Boden.
Sie alle interessieren sich glücklicherweise gar nicht für mich.
Da hüpft etwas Schwarzes auf mich zu.
Es pickt mit seinem gelben Schnabel etwas vom Boden auf.
Oh, jetzt hat es einen dicken Wurm erwischt.
„Hallo, wer bist du? Dich kenne ich noch nicht.“
„Naja, ich bin auch noch nicht lange hier.
Ich bin Kalle, der Schokopudding.
Und wie heißt du?“
„Ich bin Anton, die Amsel.
Ich wohne in der Hecke da hinten.
Ich muss diesen fetten Wurm meinen Kindern bringen. Aber, was ist ein Schokopudding? Ich bin noch nie einem begegnet.“
Ja, das ist schwer zu erklären.
Es ist etwas, das die Menschen gerne essen, besonders die Kinder lieben mich, weil ich so schön süß bin. Dummerweise will auch die Katze Mia an mir knabbern und lauert mir deshalb überall auf.“

„Oh, ja, vor der musst du dich hüten!
Ich hätte neulich beinahe Bekanntschaft mit ihren Krallen und Zähnen gemacht, als ich einen besonders langen Regenwurm aus dem Boden zog.
Ich war so begeistert, dass ich nicht auf meine Umgebung achtete.
Im letzten Moment konnte ich fortfliegen und mein Leben retten!
Den halben Regenwurm musste ich leider liegen lassen.
Ich hätte ihn gerne mit meiner Frau geteilt.“
Ich fühle mich hier unter dem Rosenbusch ziemlich sicher.
Aber ich möchte gerne noch etwas von der Welt sehen.
Alleine schaffe ich das nicht.
Kannst du mir denn einen kräftigen Stups geben?“
„Warte mal, ich hole ein paar Freunde und zusammen schaffen wir das dann schon.“
Damit fliegt Anton fort. Kurze Zeit später erscheint er mit fünf Amseln, die alle sehr kräftig aussehen.
Sie stellen sich eng zusammen, zählen bis Drei und schubsen mich gleichzeitig an.
Ich bekomme einen solchen Schwung, dass ich aus dem Rosenbusch fliege, über den Rasen kullere und immer schneller werde!
Es geht bergab!!!

Uijuijui!!! Ich rolle auf den Teich zu!
„Hilfe!!!“
Und lande auf einem großen Seerosenblatt. Gerade noch einmal gut gegangen. So, jetzt aber nicht bewegen!
Schwimmen kann ich nämlich gar nicht.
Plötzlich ein lautes Geräusch neben mir, das ich noch gar nicht kenne.
Ein grünes Gesicht mit Glubschaugen taucht neben mir auf.
Es sieht freundlich aus.
„Hallo, ich bin Freddy, der Frosch.
Willkommen in unserem Teich! Darf ich raten, wer du bist?
Du bist Kalle, der Schokopudding. Stimmt`s?“ „Woher weißt du das?“
„Ach, Mia, die Katze schleicht hier dauernd herum.
Sie ist ziemlich sauer auf dich.
Das weiß inzwischen jeder im Garten.“
Und Frösche haben keinen Appetit auf Schokopudding?“ „Igitt! Nein! Nur auf fette Fliegen, Libellenlarven und solche leckeren Dinge.“ „Und wie komme ich als Nichtschwimmer hier wieder raus?“ „Ooch, bleib doch noch ein bisschen! Bei uns ist immer was los.
Gegen Abend kannst du ein tolles Froschkonzert erleben.
Der beste Chor der Gegend!
Das willst du dir doch nicht entgehen lassen?“
Kann ich das auch vom Ufer aus hören?“
„An sich schon. Aber so mitten drin ist es ein besonderes Erlebnis!“ „Ach, weißt du, an Land fühle ich mich irgendwie sicherer.
Dort kann ich auch gefahrlos applaudieren.
Denn wenn ich ins Wasser rutsche, ist es aus und vorbei mit mir!“
„Überredet! Ich ziehe dich auf dem Seerosenblatt an Land.
Aber du musst auch tüchtig klatschen!“
„Na klar!“
Übrigens passiert da gerade etwas Besonderes.
Habe ich jedenfalls gehört!“
„Was denn?“
„Also, der Igel Ipsi hat den Hasen Nick zu einem Wettlauf aufgefordert.
Ist das nicht verrückt?!
Da steht der Sieger doch schon vorher fest!“
Und ihr glaubt nicht, was dann geschieht.
Der Igel gewinnt! Ob da wohl alles mit rechten Dingen zuging?

Ich wundere mich noch, da nehme ich eine gaaanz leichte Bewegung der Grashalme wahr. Vorsicht, sagt alles in mir! Und das ist gut so. Zwei bekrallte Pfoten springen auf mich zu.
Ich ducke mich gerade noch. Spüre schon fast den Schmerz.
Und………
..erwache!!!
Ich habe das alles nur geträumt! Bin ich froh!
Nun kann das geschehen, wofür ein richtig guter Schokopudding hergestellt wird. Und ich bin ein richtig guter Schokopudding, das könnt ihr mir glauben! Ich lasse euch gerne probieren. Aber nun wird das vor allem die nette Familie tun, bei der ich wohne. Ich hoffe mit Sahne! Ich finde, das habe ich nach all den Abenteuern echt verdient! Auch wenn sie nur geträumt sind.
Gabriele Etzrodt©


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