Mittwoch, 5. Juli 2017

Brief von Jürgen Linke am 29.06.2017

Textmacher Borgfeld
„Ich schreibe, also bin ich.


An die Literaturfreundinnen                         29.06.2017
und –freunde

Liebe Freundinnen und Freunde,

ein kleiner Rückblick zunächst auf unser Treffen am 09. Juni; inzwischen sind schon wieder fast drei Wochen vergangen. Es war eine kleine Runde: Yuki, Cornelius, Ilse, Inge K., Karin, Gabriele, Wolfgang, Jürgen; außerdem zwei Gäste aus dem Stiftungsdorf: Gerhard Czaniara und Doris Winkler, die bei Textmacher Borgfeld mitmachen will. Wir  begrüßen herzlich unser neues Mitglied.
Eine kleine Runde war es. Aber ich fand die Arbeit sehr produktiv und anregend. Wir haben das gemacht, was intendiert war: ein kritisches und aspektreiches  Gespräch an den vorgetragenen Texten entlang zu führen. Das war interessant und nützlich für die Autoren. Es sind sehr bedenkenswerte Kommentare geäußert worden, hilfreich sicher auch für mögliche spätere Überarbeitungen in Richtung Edition. Ich denke, auf dieser Linie  sollten wir uns weiter bewegen: ernste  Arbeit am Text. Das war auch das, was ich von verschiedenen Seiten als wünschenswertes Vorgehen gehört habe. Ich will sehr gern dieser Linie folgen.

Gelesen haben Wolfgang Marschall und Jürgen Linke. – Wolfgang hat Geschichten zum Schmunzeln vorgetragen, angesiedelt in unserer norddeutschen Heimat und auch direkt in Borgfeld. Die Geschichten zeichnen sich durch eine witzige Pointe aus.

Wir diskutierten nach dem Vortrag die Frage: Worauf beruht die Wirkung eines Witzes?
Antwort: Natürliche Sprachen sind nicht eindeutig und generieren Sätze, die unterschiedliche Interpretationen zulassen. In diesem Sinne ist eine witzige Pointe eine Interpretation, die für den Hörer unerwartet kommt und ihn auf diese Weise  verblüfft und erheitert.

Jürgen hat eine Kurzgeschichte – mit märchenhaften Elementen  - vorgetragen: „Sonate facile“.  Dazu gab es interessante Anmerkungen.
Karin fand, dass der Tod der Protagonistin nicht vorher hatte angekündigt werden sollen; dadurch ging Spannung verloren. Ähnlich hat sich – in meiner Erinnerung – auch Gabriele geäußert. Meine Entgegnung: Das Ziel der Handlung ist die erlösende Leistung der meisterhaften Komposition und das perfekte Spiel, nicht im Sinne eines Krimis der Tod der Protagonistin. Es geht um die Erfüllung einer lebenslangen Sehnsucht, die sich aber nicht in der Realität ereignet, sondern in einer die Realität transzendierenden Märchensituation.  – Conny fand den Schluss nicht gut: „…und sie forschten und forschten. Und wenn sie nicht …“  Dieser Schluss passe nicht zum Ganzen. Ich fand den Schluss witzig, eine Rückwendung zur traditionellen Form des Märchens, die zugleich den Ernst des Textes mit leicht karikierender Attitüde relativieren soll.
Aber: man kann  sich sicher darüber streiten, ob der Schluss gelungen ist. Ich fand alle  Einlassungen sehr bedenkenswert und bedanke mich ausdrücklich dafür.

So weit zum Rückblick – aus meiner Erinnerung.

Das nächste Treffen wurde  festgesetzt auf
Freitag, 04. August, 2017, 15:00 Uhr.
Ich frage bei der Leiterin des Stiftungsdorfes an, ob wir wieder dort tagen dürfen. Ich bin optimistisch, dass das klappen wird, muss allerdings die Antwort abwarten. Ich gebe rechtzeitig den Ort bekannt.

Vortragen werden Karin Koch und Cornelius Melville.
Karin schreibt Epiloge zu Romanen. Sie wird einen Epilog zu dem bekannten Brief-Roman „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor (1938) vortragen. Es empfiehlt sich, den – erfreulich kurzen  - Roman-Text vorher zu lesen. Karin wird jedoch eine kurze Zusammenfassung geben, bevor sie ihren eigenen Text vorträgt.

Cornelius hat – wie bekannt – auf mehreren tausend Seiten die Übersetzung eines historischen englischen Textes aus dem 18. Jahrhundert niedergelegt. Teile daraus sind bei „Projekt Guttenberg“  im Internet anzuschauen. Conny wird aus der Übersetzung vortragen und – denke ich – über das Abenteuer seiner Übersetzungsarbeit berichten.

Wir dürfen, liebe Literaturfreundsinnen und  –freunde auf das nächste Treffen gespannt sein. Ich freue mich auf die Vorträge und auf eine interessante und anregende Aussprache.
Herzlichst
Jürgen L.



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